Eine Routinefahrt endet in einer Katastrophe: 1869 explodiert der Dampfkessel der «Rheinfall» bei Berlingen. Das Schiff sinkt, Menschen sterben – die Mobiliar nimmt die Ermittlungen auf.
20. Dezember 1869, Berlingen am Bodensee. Die «Rheinfall» hat angelegt. Der über 40 Meter lange Dampfer verkehrt wie jeden Tag zwischen Konstanz und Schaffhausen. Er hat Menschen, Vieh und Ware an Bord. Um 14 Uhr ruft der Kapitän «Vorwärts», die hölzernen Schaufelräder drehen. Ein Donnerknall! Das ganze Vorderdeck wird in die Luft geschleudert, das Schiff sinkt schnell. Vier Passagiere, der Steuermann und einige Ochsen sterben. 22 Personen und die restliche Crew werden von herbeieilenden Schiffen lebend aus dem eiskalten Wasser gezogen. Unglücksursache: der Dampfkessel. Aber warum ist er explodiert?
Bei der Frage geht es um viel Geld. Im Geschäftsbericht der «Dampfschifffahrts-Gesellschaft auf dem Untersee und Rhein» von 1869 steht, der Kessel der vierjährigen «Rheinfall» müsse untersucht werden. Wurde das Schiff nicht richtig gewartet? War Fahrlässigkeit oder gar Grobfahrlässigkeit im Spiel, wie der Schadeninspektor der Mobiliar vermutet? Taucher werden in die Tiefe geschickt. Es gelingt ihnen nicht, das Boot und sein Geheimnis zu heben. Die Mobiliar zahlt. Es ist ihr teuerster Schadenfall in diesem Jahr. Zur Schadensumme von 78’000 Franken summieren sich die Kosten für die Bergungsversuche. Danach versichert die Mobiliar lange Zeit keine Dampfschiffe mehr.
Zwei Jahre nach dem Unglück, 1871, kommt die «Rheinfall» ans Tageslicht. Das Schiff wird repariert und unter dem Namen «Neptun» in Dienst gestellt. 1922 sinkt es erneut, diesmal bei Reparaturarbeiten in der Werft. Und wieder wird es gehoben. Es fährt noch bis 1939 und wird dann verschrottet. Den Dampfkessel der «Rheinfall» bergen Sporttaucher erst 1995. Heute erinnert er an der Anlegestelle Berlingen an das Schiff und seine Geschichte.
(Erstmals publiziert im Kundenmagazin Mobirama 2/2022)