In der Schweiz sind sie zum Glück selten, denn ihre Zerstörungskraft ist gewaltig: Tornados. Mit voller Wucht trifft es 1926 den Berner Jura.
Es ist der 12. Juni 1926. Der Nachmittag ist schwül, Gewitter ziehen auf. Im französischen Département Doubs bildet sich nahe der Grenze ein Wirbelsturm. Er nimmt Kurs auf den Neuenburger und Berner Jura. Augenzeugen berichten, wie es plötzlich dunkel wird wie in tiefer Nacht. Es blitzt, Staub ist in der Luft und es ertönt ein Lärm wie von 1000 Flugzeugmotoren. Wo der gewaltige Luftwirbel den Boden berührt – in der Gegend um La-Chaux-de-Fonds und La Ferrière – zerlegt er Gebäude und fällt ganze Wälder.
Er ist einer der stärksten Tornados, der je in der Schweiz gemessen wurde. Nach einer halben Stunde ist der Spuk vorbei. In dieser kurzen Zeit hinterlässt er eine Schneise der Verwüstung, 23 Kilometern lang und 300 bis 1000 Meter breit. Ein Junge stirbt. Es gibt einige Schwerverletzte, unzählige tote Tiere und Sachschäden in Millionenhöhe. Auch der Hof der Familie Geiser in La Chaux-d’Abel, der auf dem Schadenbild der Mobiliar zu sehen ist, wird schwer getroffen.
Namensvetter, aber nicht direkter Verwandter dieser Familie, ist Mobiliar Kunde Jacob Geiser (72). Er wohnt, wo auch sein Vater damals wohnte, drei Kilometer vom abgebildeten Ort entfernt. Ihr Hof wurde vom Tornado verschont. Aber hühnereigrosse Hagelkörner durchschlugen Dachziegel und aus der Küche war plötzlich der Himmel zu sehen. Sein Vater sei damals siebzehn Jahre alt gewesen, erzählt Jacob Geiser. «Er war mit den Pferden auf dem Heimweg. Als der Himmel schwarz wurde, hat er mit den Tieren Schutz an einem grossen Scheunentor gesucht. Der Tornado zog ganz nah vorbei und zerstörte den Wald.» La Chaux-d’Abel hatte Glück im Unglück. Niemand wurde ernsthaft verletzt.
(Erstmals publiziert im Kundenmagazin Mobirama 2/2021)