Gelegte Feuer und gefälschte Rechnungen, herbeigeführte Unfälle und erfundene Diebstähle: Der solidarische Grundgedanke der Versicherung verkehrt sich in rund zehn Prozent der Schadenfälle ins Gegenteil. Die Tricks, mit denen Betrügerinnen und Betrüger Geld erschleichen wollen, gibt es wohl, seit Versicherungen existieren.
Beim Hantieren mit der Schere beschädigt eine Frau, die bei ihrer Freundin zu Besuch ist, das Sofa. Die Mobiliar schickt einen Experten in die Wohnung der Geschädigten. Er soll beurteilen, ob das Sofa repariert werden kann oder ersetzt werden muss. Der Experte sieht das Sofa – das nicht reparierbar ist – und erinnert sich: Er hat es schon einmal begutachtet. Weitere Nachforschungen ergeben, dass das Sofa schon länger zerschlissen ist und fünfmal für je 6000 Franken «ersetzt» wurde. Die Betrügerinnen hatten sich jeweils abgesprochen und wechselten die Versicherung, um den Schaden mehrfach ausbezahlt zu bekommen.
Diebe steigen bei einem jungen Paar ein. Nach der ersten eingereichten Schadenliste folgt kurz darauf eine zweite, deren Summe fünfmal so hoch ist. Sie hätten auf einem erneuten Rundgang gemerkt, dass viel mehr gestohlen worden sei. So etwa auch Unterwäsche und 24 Paar Jeans. Die Mobiliar wird hellhörig, denn Slips werden üblicherweise nicht gestohlen, aber sie hat keine Beweise. Da hilft Kommissar Zufall: Die beiden Diebe werden aufgegriffen, und die Befragung ergibt, dass die gestohlene Ware mit der ersten Schadenliste übereinstimmt. Die Mobiliar gewinnt den anschliessenden Gerichtsfall, das Paar geht leer aus.
Einbrecher plündern ein Haus und lassen Wertsachen für rund 40 000 Franken mitgehen. Zudem richten sie schweren Schaden an der Eingangstür an. Die Mobiliar übernimmt den Schaden inklusive Ersatz der Tür – abzüglich eines Selbstbehalts von 200 Franken. Die Schreinerrechnung für die Tür leitet der Versicherungsnehmende B. ungeöffnet an die Schadenabteilung weiter. Nebst der Rechnung findet die Mobiliar darin ein Begleitschreiben: «Lieber B., wie mündlich vereinbart, habe ich den Versicherungsselbstbehalt von 200 Franken auch gleich in meine Faktura eingerechnet.»
Ein Autofahrer erleidet in zehn Jahren unglaubliche 49 Verkehrsunfälle. Weil er nie schuld ist, muss die Mobiliar jeweils zahlen. Später wird klar: Er nutzte gezielt die Unsicherheit ortsfremder Personen aus und suchte sich auf der Stadtautobahn Autos mit Nummernschildern anderer Kantone, die auf der linken Spur fuhren. Er wusste: Irgendwann würden sie hektisch auf die rechte Spur wechseln, um die Ausfahrt nicht zu verpassen. Geschickt lenkte er sein Auto so, dass ihn die ortsfremden Personen bei diesem Manöver touchierten. Dem Kunden auf die Spur zu kommen, dauerte eine Weile, da er jedes Mal darauf beharrte, die Polizei zu rufen. So erschien er lange glaubwürdig.
Ein grosses Feuer vernichtet in einer Solothurner Gemeinde ein Wohnhaus samt Scheune. Der 45-jährige Hofbesitzer, seine Frau, sein Sohn und die Magd werden in Untersuchungshaft genommen. Erst im vierten Verhör gesteht die Frau, von der Brandlegung ihres Gatten gewusst zu haben, danach gibt es die Magd zu, zuletzt der Sohn. Allein der Mann bestreitet die Tat, obwohl er die Fahrhabe sechs Wochen vor dem Feuer für 7950 Franken bei der Mobiliar hat versichern lassen – mehr als das Doppelte vom eigentlichen Wert. Zudem hat er im Herbst vor dem Brand alles Getreide verkauft und einige Tage davor Kleider, Möbel und Gerätschaften ins Stöckli getragen, das verschont bleibt. Er wird wegen Versicherungsbetrugs zu einer langjährigen Kettenstrafe verurteilt. Die Beweislast ist erdrückend.
Vor dem Winter brennt das Grimsel Hospiz nieder, dessen Pächter es mit Erfolg führt und ständig vergrössert. Die Hotelausstattung ist bei der Mobiliar für 43 000 Franken versichert. Schon am nächsten Tag ist der Mobiliar Agent mit weiteren Leuten an der Brandstätte. Bald finden sich im Misthaufen 13 Kisten mit Hab und Gut und vier Fass Wein, in einer etwas entfernten Hütte werden Türen und Fensterrahmen entdeckt und in einem Heuschober Kisten mit Geschirr und Glas im Wert von 10 000 Franken – alles sauber verpackt. Der Pächter gesteht. Die Idee habe er von einem ausländischen Gast, der von niedergebrannten Fabriken erzählt habe, die danach doppelt so gross aufgebaut worden seien. So habe er den Plan geschmiedet, das zu klein gewordene Hotel mit dem Geld der Versicherung neu und grösser zu bauen. Der 62-Jährige muss eine Kettenstrafe von 20 Jahren verbüssen.