Wer heute einen Berg erklimmt, trägt von Schuhwerk bis Hut spezielle Outdoor-Bekleidung: atmungsaktiv, wind- und wasserabweisend, praktisch und funktional. Es geht auch anders, wie die Fotos des Geschäftsausflugs von 1939 eindrücklich zeigen.
Die Stimmung ist ausgelassen an diesem Sommertag Anfang Juni. Männer in Anzügen, mit Fliegen und Krawatten sitzen auf Alpwiesen. Zwei musizieren, andere rauchen Zigarren. Direktor Pfister, der oberste Chef, ist mit einem Senn im Gespräch, Frauen in eleganten Röcken streicheln Ziegen. Teambuilding der Mobiliar Direktion im Jahre 1939.
Der alljährliche Betriebsausflug hat die etwa 90-köpfige Belegschaft in die Freiburger Voralpen geführt. Der Schnee leuchtet nah von der Kaiseregg. Wolken türmen sich am Himmel, aber es bleibt trocken. Vom idyllischen Schwarzsee steigen die Mitarbeitenden zur Riggisalp hoch, Jacken unter dem Arm, und fächeln sich mit ihren Hüten Kühlung zu. Oben angekommen bewundern sie den Ausblick, plaudern, lassen sich gar zur Schneeballschlacht hinreissen. Zum Mittagessen gibt es Kartoffelsalat und Wurst.
Die ganze Wanderung dauert wohl zwischen vier und fünf Stunden. Die Wandertruppe wird von den wenigen, am Schwarzsee Zurückgebliebenen schon erwartet. Im Restaurant Gypsera findet der Tag bei einem «Abendessen mit gemütlicher Unterhaltung» seinen Abschluss, wie im Fotoalbum mit makelloser Schönschrift notiert ist.
Weniger als zwei Monate später verändert sich alles. Am 1. September bricht der Zweite Weltkrieg los. Der Zusammenhalt der Mitarbeitenden wird über Jahre hinweg auf eine harte Probe gestellt, denn die allgemeine Mobilmachung reisst grosse Löcher in den Personalbestand. Teilweise bleiben bis zu 50 Prozent der Arbeitsplätze von Direktion und Agenturen leer. Zum Glück kommt die Schweiz und – und mit ihr die Mobiliar – besser durch die Kriegsjahre als damals befürchtet.
(Erstmals publiziert im Apropos 1/2022, das Magazin für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mobiliar)