Platz da!

In den ersten fast fünfzig Jahren ihrer Existenz ist die Zentralverwaltung der Mobiliar immer wieder an unterschiedlichen Orten in Bern eingemietet. Endlich, 1873 kauft sie ihr erstes Gebäude. Sie ahnt nicht, dass es schon bald dem Untergang geweiht ist.

Zugemauerte Fenster, verschlossene Läden, keiner da. 1900 erinnert nichts mehr daran, dass an der Amthausgasse 23 in Bern die Verwaltung der Mobiliar Versicherung ansässig war. Schon zwei Jahre zuvor haben Pferdefuhrwerke die Möbel, Bilder, Teppiche und Akten abtransportiert. Das Gebäude wird demnächst abgerissen und mit ihm noch weitere, die an seiner Seite stehen. Sie weichen einem Grossprojekt von nationaler Bedeutung: dem Parlamentsplatz, der ab 1909 Bundesplatz heissen wird.

Vom Regen in die Traufe

1873 kauft die Mobiliar das Haus für 116'000 Franken als ersten eigenen Hauptsitz und zieht ein Jahr später ein. Zurückgehend auf das jüdische Viertel des Mittelalters lautet die Adresse Judengasse 130, bis sie 1878 in Amthausgasse umbenannt wird. Damals arbeiten laut Mitarbeiterverzeichnis zehn Direktionsmitarbeitende im «Centralbureau». Das Schicksal des Gebäudes – eben erst umgebaut und zweckmässiger gemacht –, wird 1894 besiegelt, als nach dem Nationalrat auch der Ständerat dem Projekt für ein neues Parlamentsgebäude mit vorgelagertem Platz zustimmt. Die Mobiliar verkauft ihr Haus an die Eidgenossenschaft, findet für ihre Büros aber keine gute Alternative.

Zürich oder Bern?

Wo sollte sich die Mobiliar nun niederlassen? In Bern bleiben oder gar nach Zürich ziehen? Laut Protokoll der damaligen Geschäftsleitung hatte man Zweifel, ob ein Umzug nach Zürich das Richtige sei: Da werde nicht seriös geschäftet, lässt sich nachlesen. So entsteht 1896 in Sichtweite der Baustelle des Parlamentsgebäudes noch eine zweite: Die Mobiliar baut sich eine neue Heimat. Die Stadt Bern hat ihr dafür einen guten Bauplatz an der Ecke Schwanengasse und Bundesgasse zur Verfügung gestellt. Zwei Jahre später, im Dezember 1898, zieht die auf zwanzig Mitarbeitende angewachsene Belegschaft ein.

Ein versöhnlicher Abschluss

Insgesamt blieb die Mobiliar 24 Jahre an der Amthausgasse. Vom Gebäude ist auf dem Bundesplatz nichts mehr zu sehen. Und trotzdem hat die Mobiliar deutliche Spuren hinterlassen: 3600 Platten aus Valser Gneis – geschenkt zum 175-Jahr-Jubiläum im Jahr 2001, verlegt bei der Neugestaltung des Platzes 2004.

(Erstmals publiziert im Apropos 2/2014 und Apropos 3/2024, dem Magazin für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mobiliar)

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