In den historischen Archiven der Mobiliar sind wenige frühe Bilder von Wohnungsschäden erhalten geblieben. Dieses hier wurde in Liestal aufbewahrt.
Die Tapete ist nass, der Verputz blättert, die Matratze wurde weggebracht. Ein Leitungsbruch oder eine übergelaufene Badewanne im oberen Stock? Dieses Foto eines Wasserschadens stammt aus dem Archiv der Generalagentur Liestal. Generalagent Alfred Guggenbühl führte den Standort der Mobiliar bis 2019 in dritter Generation. Einige Unterlagen sind von Vater und Grossvater erhalten geblieben.
Das Schadenbild erlaubt einen indiskreten Blick in ein Daheim der 1950er-Jahre. Vielleicht war es eine junge Frau, die hier wohnte, und das Zimmer gehörte zu einer grösseren Wohnung oder einer Pension. Die Einrichtung ist einfach, nur der Wandteppich verbreitet exotisches Flair. Am Bett steht dominant das schwarze Telefon, ein Modell dieser Zeit. Die Fotos an der Wand zeigen damalige Stars und Idole wie Ingrid Bergman oder Audrey Hepburn. Das gerahmte Porträt hat die Feuchtigkeit unkenntlich gemacht.
Die 50er-Jahre waren geprägt von politischen Gegensätzen und wirtschaftlichem Aufbruch. Ein rasanter Fortschritt folgt auf die vielen Jahre des Mangels. Im Wohnbereich nehmen Haushaltsgeräte den Hausfrauen aufwendige Arbeit ab, das Fernsehen beginnt seinen Siegeszug. Doch das kleine Zimmer prahlt nicht mit den neuen Annehmlichkeiten der Konsumgesellschaft. Es zeigt bescheidenen Alltag. Und dass nicht alles gut ist, was von oben kommt.
(Erstmals publiziert im Kundenmagazin Mobirama 2/2017 – Seit 2019 ist Roger Kamber Generalagent in Liestal)