Die Schattenseiten

Sorgen

Die Mobiliar ist eine Erfolgsgeschichte – aber 200 Jahre sind lang genug, um auch Unschönes zu erleben. Eine unvollständige Auswahl von Ereignissen, die für Kummerfalten sorgten.

Verlust

Verstaatlichung 1849

In der Waadt brennt es seltener als anderswo: eine gute Sache für die Versicherten und die Mobiliar. Ohne deren Wissen beschliesst der Kanton aber die Gründung einer eigenen staatlichen und obligatorischen Mobiliarversicherung. So fliessen 39 Millionen Franken Versicherungskapital ab. Ein herber Schlag für die Mobiliar. Sie kann das Unheil weder abwenden noch rechtzeitig jene Stimmen im waadtländischen Grossen Rat unterstützen, die ihr das Monopol für den Kanton übertragen wollen. Ärgerlich ist auch, dass im Nachgang ein Versicherter aus Nyon, der die Police von seinem Vater geerbt und zwölf Jahre anstandslos die Prämien bezahlt hat, die Beiträge zurückhaben will. Die Waadtländer Gerichte folgen seinem Argument, gar nie Kunde gewesen zu sein – die Mobiliar muss die Prämien erstatten.

Betrug

Diebstähle 1856, 1874, 1943

Im Jahre 1856, als die Mobiliar das 30. Jahr ihres Bestehens feiert, ergaunert sich der Angestellte Peter W. die damals stattliche Summe von 9000 Franken bei der Berner Kantonalbank: Er fälscht dafür die Unterschriften des damaligen Vizepräsidenten und des Sekretärs. Der Betrug bleibt lange unentdeckt, und Peter W. kann sich absetzen. Keine 20 Jahre später lässt der damalige Direktionssekretär Theodor B. Wertpapiere der Mobiliar mitgehen, die nach heutigen Massstäben rund eine halbe Million Franken wert wären. Er will sich damit in Argentinien mit seiner Geliebten ein neues Leben finanzieren. Und mitten im Zweiten Weltkrieg veruntreut ein zuvor bei der Bundesanwaltschaft tätiger Mitarbeiter namens Alfred N. in leitender Stellung rund 50 000 Franken, um seine neue Villa zu bezahlen. Er kommt im Gegensatz zu den beiden anderen nicht davon und muss ins Gefängnis.

Krise

Zwischen den Kriegen

Der Börsencrash von 1929 macht sich bei der Mobiliar erst zeitlich verzögert bemerkbar, da Versicherungsverträge auf fünf oder zehn Jahre abgeschlossen werden. Dennoch schrumpft in der Folge das Versicherungskapital. Das verschärft die Konkurrenz unter den Versicherungsgesellschaften, was wiederum die durchschnittlichen Prämiensätze sinken lässt. Zu allem Übel nehmen während dieser Zeit die Feuerschäden zu. Anderer Art sind die Sorgen, die etliche Kantone der Mobiliar bereiten: Erneut gibt es Verstaatlichungsbestrebungen. In Obwalden und Uri scheitern die Vorstösse immerhin schon im Parlament, im Aargau kommt es in den 1930er-Jahren zum Grosskampf. Letztlich wird die Initiative vom Stimmvolk klar abgelehnt.

Sparkurs

Stellenabbau 2003–2005

Anfang der 2000er-Jahre stagniert die Wirtschaft, die negativen Entwicklungen im Finanzgeschäft treffen die Versicherer hart. Auch die Mobiliar fährt satte Verluste ein, allein 2002 sind es 84 Millionen Franken. Ein neuer Kopf an der Spitze soll das Ruder herumreissen: Urs Berger tritt an, verflacht die Hierarchien und kündigt Entlassungen an – ein Schock für die Mitarbeitenden. 368 Stellen sollen abgebaut werden, was rund 10 Prozent der Belegschaft entspricht. Zudem werden zwölf Generalagenturen mit anderen zusammengelegt und rund 50 Aussenstellen geschlossen. Eine Spezialausgabe des Mitarbeitermagazins «Apropos» erscheint mit dem Titel «Bereit für den Wandel». Darin beanstandet der neue CEO mangelnde Kritikfähigkeit innerhalb der Mobiliar und spricht sich zugleich für den Erhalt der genossenschaftlichen Struktur aus. Tatsächlich schafft es die Mobiliar mit dem Sparkurs zurück in die schwarzen Zahlen.

Shitstorm

Medienhype 2004

Ende 2004 gerät die Mobiliar in einen üblen Mediensturm und steht unter Verdacht, rassistisch zu sein. Ursprung ist eine Weisung: Ange­hörigen gewisser Länder soll nur eine Autoversicherung angeboten werden, wenn bereits eine Beziehung zur Mobiliar besteht. Grund dafür sind statistisch höhere Werte bei der Anzahl der Unfälle. Diese Massnahme – als Übergangslösung bis zu einem differenzierten Tarif – soll helfen, die damals massiv steigenden Schadenkosten in den Griff zu bekommen. Als sich Alexander D. bei der Zeitung «Blick» darüber beschwert, dass er als Serbe bei der Mobiliar keine Autoversicherung erhalte, schafft sie es auf die Titelseite. Sämtliche nationalen Medien greifen die Story auf, Vertretungen von Antirassismus- und Integrationsorganisationen, Gewerkschafterinnen und Politiker beschweren sich. Nach der Einführung des neuen Tarifs kann die Mobiliar wieder allen eine Autoversicherung offerieren.

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