Etliche Generalagenturen waren und sind bis heute Familienangelegenheiten. So etwa in den Familien Meyer, Probst, Sutter/Hugli, Nobile und Annen/Lüönd – um nur einige zu nennen.
Jakob Meyer ist bereits Amtsnotar, Gerichtspräsident, Regierungsstatthalter, Grossrat, Gemeindepräsident, Firmengründer, Verwaltungsrat und Gründungspräsident des Oberaargauischen Schwingerverbands, als er 1903 Generalagent in Langenthal wird. 1925 übernimmt sein Sohn Werner senior die Geschäfte der Mobiliar und führt sie 31 Jahre im Nebenamt. Der erste hauptberufliche Generalagent der Familie Meyer ist ab 1956 Sohn Werner junior. Er baut das Portefeuille von 300 000 Franken auf knapp 18 Millionen Franken aus und übergibt 1993 wiederum an den Sohn, dieses Mal Bernhard Meyer. Dieser lenkt die Geschicke in Langenthal bis zu seiner Pensionierung 2021 – womit die weit über 100 Jahre währende Meyer-Ära in der Generalagentur Langenthal endet.
La Chaux-de-Fonds, Fleurier und Le Locle haben schon kurz nach der Gründung einen Mobiliar Agenten vor Ort, und das für lange Zeit. In Fleurier übernimmt 1893 der Banquier Wilhelm Sutter; sein Sohn René, ebenfalls Banquier, führt die Generalagentur weiter und übergibt an seinen Schwiegersohn Jean Hugli-Sutter. Dessen Sohn Daniel wird 1992 Generalagent – und muss in seiner Ära gleich zwei Fusionen vollziehen. Acht Jahre steht er der Generalagentur Fleurier vor und führt seine Rolle auch nach der Fusion von Fleurier mit Le Locle zur neuen Generalagentur weiter. Der Zusammenschlüsse noch nicht genug, stösst sieben Jahre später La Chaux-de-Fonds hinzu. Als Daniel Hugli 2021 in Pension geht und eine 124 Jahre währende Familientradition endet, sind nicht nur die Generalagenturen zusammengewachsen. Auch Fleurier hat sich mit anderen Dörfern zur Gemeinde Val-de-Travers zusammengeschlossen.
Sechs Jahre alt ist Marco Nobile auf dem Foto, das ihn mit seinen Grosseltern zeigt. Sie tragen ein T-Shirt mit dem Phönix, besser bekannt als Mobi Adler. Mit gutem Grund: Nonno Marco Aurelio ist – nachdem er zuvor die Generalagentur in Lugano geführt hat – ab 1971 der erste Generalagent in Bellinzona. Leider verstirbt er, als sein Enkel noch ein Teenager ist. Gern hätte Marco sich mit seinem Nonno über das Unternehmertum ausgetauscht, das er auch in sich verspürt. Als junger Erwachsener gründet er eine Werbeagentur, wird aber nach einigen Jahren von der Generalagentur Bellinzona als Versicherungsberater angeworben und tritt 2013 ein. Eine Mitarbeiterin, die noch von Marcos Nonno eingestellt wurde, überreicht ihm Visitenkarten und Papiere des Grossvaters. Marco hängt sie an die Wand seines Büros. «Schön», sagt er, «wie ich mich nach so vielen Jahren meinem Nonno wieder nah fühlen darf.»
Interesse an der Versicherungsbranche hat Yves Probst in jungen Jahren nur wenig, und es ist nicht sein Ziel, wie sein Grossvater Christian und sein Vater Daniel Generalagent zu werden. Stattdessen macht er in einer Werbeagentur die Lehre zum Mediamatiker. Bloss kommt es manchmal anders als gedacht: Mit 24 Jahren landet Yves bei der Mobiliar im Marketing der Direktion in Bern. Er bekommt Lust auf den Aussendienst und gibt sich drei Jahre Zeit, um herauszufinden, ob das Versicherungsgeschäft doch etwas für ihn ist. Und es passt! Er sammelt weitere Erfahrungen in den Generalagenturen Rheinfelden und Meilen und bewirbt sich dann für die Nachfolge seines Vaters. Dieser sagt ihm: «Du musst besser sein als alle anderen, dein Nachname allein hilft dir nicht.» Vor der Wahl ist Vater Daniel fast mehr aufgeregt als sein Sohn. Yves ist heute zufrieden mit seinem Weg. Bei seinem Start 2025 wurden von den 43 Mitarbeitenden 9 sogar noch vom Grossvater angestellt.
Lea Lüönds Aufstieg verläuft in Rekordzeit – sie wird die bisher jüngste Generalagentin. Doch der Reihe nach: Als kleines Mädchen besucht Lea auf Spaziergängen gern die Generalagentur, die ihr Onkel Stephan Annen in dritter Generation führt. Besonders der Kaugummiautomat am Empfang tut es ihr an, und sie träumt davon, Erfinderin oder Detektivin zu werden. Später studiert sie Betriebswirtschaft, und während sie als Projektleiterin erste Arbeitserfahrungen sammelt, trägt sie ihrem Onkel den Wunsch vor, seine Nachfolgerin zu werden. So steigt sie in die Versicherungsbranche ein, lernt im Aussendienst das notwendige Handwerk und wird in St. Moritz Stellvertreterin des dortigen Generalagenten. Im Alter von 29 Jahren und schwanger mit ihrem zweiten Kind, wird Lea zur neuen Generalagentin in Schwyz gewählt, der zuvor bereits ab 1945 ihr Urgrossvater und ab 1961 ihr Grossvater vorstanden.