Mehr als vier Jahre Erster Weltkrieg (1914 bis 1918) und fast sechs Jahre Zweiter Weltkrieg (1939 bis 1945) erschöpfen das Land und die Mobiliar, auch wenn es nie zum Schlimmsten kommt. Trotz minimalem Personalbestand werden die Krisen gemeistert: dank Glück, Flexibilität und Improvisationstalent.
Die Mobilmachung 1914 reisst grosse Lücken in die Reihen der Mobiliar, zum Beispiel rücken sämtliche Inspektoren der Direktion ein. Einige Generalagenturen sind sogar komplett verwaist. Den Mitarbeitern, die Dienst leisten, hält die Mobiliar die Arbeitsstelle offen und zahlt auch allen den vollen Lohn bis zum Kriegsende aus. Zusätzliche Zulagen und Lohnerhöhungen sind notwendig, da wegen des Kriegs das Geld an Wert verliert. Und nicht nur das belastet das Budget: Die Prämien können mit der Preisentwicklung nicht mithalten, weil zu viel Personal abwesend ist und die Arbeit liegen bleibt. Gleichzeitig können viele Menschen ihre Prämien nicht mehr bezahlen. Kursstürze auf Wertpapieren führen zu weiteren Verlusten.
In den Jahren vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bilden die Mitglieder der Nationalen Front die Schweizer Parallelbewegung zum deutschen Nationalsozialismus und zum italienischen Faschismus. Die Partei ist antiliberal, völkisch und meist auch antisemitisch. Innerhalb der Mobiliar werden vier Frontisten ausgemacht. In der Gesprächsnotiz zur Einvernahme eines der Herren am 10. Oktober 1938 durch Direktor Hans Pfister steht: «Unsere Gesellschaft und auch ihre Organe müssen in geschäftlicher Beziehung unbedingt neutral sein und zwar sowohl aussenpolitisch, als auch parteipolitisch, als auch konfessionell.» Man stellt die vier Männer vor die Wahl: Mobiliar oder Parteikampf. Drei der vier treten sofort aus der Nationalen Front aus, der vierte Mann fügt sich kurze Zeit später.
Auf Befehl der Armee klärt die Mobiliar eine Verlegung ihres Hauptsitzes in Bern ab, sollte eine Evakuierung wegen des Kriegs notwendig werden. Sie reserviert für diesen Fall das Kurhaus Grimmialp im Diemtigtal. Die Wertschriften würden bei den Banken bleiben. Für andere wertvolle Titel wie Hypothekenbriefe, Darlehensverträge oder Kautionen werden Transportkisten vorbereitet. Für sie ist in der Beatenbucht am Thunersee eine Kaverne im Fels geplant, gesichert mit einer Panzertür und einer Alarmanlage. Sie wird jedoch nie gebaut. Die Mobiliar beteiligt sich stattdessen an einer Tresoranlage der Schweizerischen Volksbank im Hotel Regina Palace in Matten bei Interlaken und bezahlt an den Umbau 1320 Franken sowie eine jährliche Miete von 100 Franken. Zur Evakuierung kommt es indes nie.
Die Mobiliar macht 1939 die gegen Einbruchdiebstahl versicherten Banken darauf aufmerksam, dass im Fall einer Evakuierung von Bargeld, Goldbarren und Wertpapieren die Police nicht mehr gültig ist. Um dennoch einen gewissen Versicherungsschutz bei einer Evakuierung in Anspruch nehmen zu können, sollen die Banken ihren geplanten Ausweichstandort samt technischen Details, etwa zur Tresoranlage, bekannt geben. 1940 überlegt die Branche, ob eine Kriegsrisikoversicherung eingeführt werden könnte. Die Pläne verlaufen jedoch im Sand. Schäden, die wegen der angeordneten Verdunkelung entstehen, vergütet die Mobiliar vollständig.
Schon vor Kriegsausbruch im September 1939 nimmt wegen des Militärdiensts die Zahl der Mitarbeiter ab. Den Generalagenturen teilt die Direktion mit, dass sie sich selbst auf eine Mobilmachung vorbereiten müssen, da sie kein Personal abgeben kann. Die Gehälter der mobilisierten Direktionsangestellten bezahlt die Mobiliar – zusätzlich zum Sold – je nach Zivilstand und Anzahl Kinder zu 50 bis 90 Prozent. Am Hauptsitz in Bern reduziert sich schon kurz nach Kriegsausbruch die Zahl der Mitarbeitenden von rund 100 auf die Hälfte. Nach der zweiten Mobilmachung 1940 halbiert sich die Belegschaft am Hauptsitz erneut. Schwierig ist auch die Situation in den Agenturen. Überliefert ist die Geschichte der Ehefrau des Generalagenten in Weinfelden: Sie übernimmt die Geschäfte und geht anfangs sogar mit dem Kinderwagen auf Akquisition, bis ein Kindermädchen eingestellt wird.